Wodka – Treibstoff der russischen Seele

Die Russen lieben ihren Wodka. Er ist nicht nur Teil ihres Alltags, sondern auch der russischen Seele geworden. So sehr, dass die Bolschewiken im Revolutionsnovember 1917 ein Wodka-Verbot verhängten. Ihr Anführer Lenin trank selbst keinen Tropfen. Im Fusel sah er einen großen Feind auf dem Weg zum Kommunismus. Im Interview mit Jewgenij Popow, Schriftsteller und Kenner der sowjetischen Führungsriege, erfahren die Zuschauer, dass auch Gorbatschow den Wodka-Konsum einschränken wollte, indem er die Produktion einstellen ließ. Dafür wurde er vom Volk liebevoll „Mineralsekretär“ genannt. Und das Volk, blieb es trocken? Im Gegenteil. Bis heute wird Wodka oft selbst gebrannt. Wie das geht, verrät eine Rentnerin. Wie die Russen feiern, welche Trinksprüche sie mögen und wieviel Wodka ein russischer Mann trinken kann, zeigt Anja Bröker bei einer russischen Hochzeit und auf der Fahrt von Moskau nach Petuschki mit der Elektritschka, der Vorortbahn. Auf dieser Strecke spielt auch ein berühmter Trinkerroman, der eine Fahrt ins Delirium beschreibt. Ausschnitte aus dem berühmten Kinofilm „Der Barbier von Sibirien“ mit General Radlow zeigen, wie man das „Zarenwässerchen“ noch besser vertragen kann. Die vielfältigen russischen Entziehungsmethoden sind genauso konsequent wie der Wodka-Konsum. So gab es in den 30er-Jahren Massenhypnosen in sowjetischen Betriebskantinen. Heute dagegen ist eine moderne Form, die Kodierung, populär. Im Trancezustand wird den Patienten dabei mit schlimmsten körperlichen Folgen gedroht. Pater Wladimir, Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche, erklärt dagegen, dass nur Ikonenheiler durch Gebete erfolgreich gegen den Alkoholismus vorgehen könnten. Parallel dazu haben die Betroffenen die Möglichkeit, sich Pillen unter die Haut nähen zu lassen, die sich mit Alkohol nicht vertragen, und so einen Herzinfakt oder eine Hirnblutung auslösen können – der körperliche Zusammenbruch also als Abschreckung. Eine Alternative des Alkoholentzugs bleibt: Die „Von-Hundert-auf-Null-Methode“, also der Gang in eine russische Entzugsklinik.

Quelle: Themen-TV.de